Direkt zum Inhalt
Druck auf die Ukraine
ANZEIGE

Druck auf die Ukraine Europäischer Gerichtshof stärkt Rechte von Homosexuellen!

ms - 06.06.2023 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Langsam aber schrittweise hat sich die Ukraine bereits vor dem Krieg mit Russland hin zu mehr Rechten für Homosexuelle bewegt – eine gleichgeschlechtliche Ehe gibt es allerdings bis heute nicht. Bereits vor einem knappen Jahr hatten sich deswegen rund 28.000 Menschen in einer Petition für die Homo-Ehe im Land ausgesprochen. Nun übt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte massiven Druck auf das Land aus.

Historischer Sieg für homosexuelle Ukrainer

Die Richter des hohen Hauses gaben nun der Klage eines schwulen Paares aus der Ukraine recht. Die beiden Männer hatten zuvor bei sieben Standesämtern versucht, zu heiraten – vergebens. Die Absage stützte sich jedes Mal auf die Aussage, dass die Ehe nur eine Verbindung zwischen Mann und Frau sei. Dagegen zog das schwule Paar seit 2014 bis vors oberste europäische Gericht für Menschenrechte und siegte! Die Richter stellten dabei klar heraus, dass die Ukraine mit ihrer bisherigen Einstellung homosexuelle Menschen diskriminiere – die sexuelle Orientierung dürfe kein Grund für die Ablehnung sein. Mit einer sehr ähnlichen Begründung hatten die Richter erst Ende Mai auch Rumänien aufgefordert, eine Homo-Ehe im Land einzuführen.

Die Ukraine muss handeln!

Pikant dabei: Die Ukraine will Mitglied der Nato und auch der EU werden und hat bereits die Europäische Menschenrechtskonvention unterzeichnet, das Urteil des Europäischen Gerichtshofs ist also bindend. Bisher hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj seine grundsätzliche Bereitschaft für eine gesetzliche Änderung vage in Aussicht gestellt, stets aber erklärt, dass in Kriegszeiten die Verfassung nicht geändert werden dürfe. Ob dieses Argument weiter greift, darf bezweifelt werden. Da die Ukraine mit der Weigerung, dem schwulen Paar die Ehe zu erlauben, gegen das Recht auf Privat- und Familienleben und gegen den Anti-Diskriminierungsparagrafen verstoßen habe, sprachen die Richter dem homosexuellen Paar zudem eine Entschädigungszahlung von 5.000 Euro zu.

Zahl der Befürworter in der Ukraine wächst

Für die schwul-lesbische Community in der Ukraine ist das Urteil ein Meilenstein, denn während gerade auch in Kriegszeiten die Akzeptanz von Homosexuellen in der Gesellschaft gewachsen ist, sind Schwule und Lesben für ihre jeweiligen Partner vor dem Gesetz immer noch Fremde. Ihnen bleiben fundamentale Dinge vom Krankenhausbesuch bei einer Kriegsverletzung bis hin zu Entschädigungszahlungen im Todesfall verwehrt. Die Zahl der Befürworter wächst auch innerhalb des ukrainischen Parlaments, in das in diesem Jahr bereits ein erster Gesetzentwurf für eine sogenannte „zivile Vereinigung“ eingebracht wurde, die gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zum ersten Mal einen Rechtsstatus verleihen würde.

Putins Hass auf Schwule befördert ein Umdenken in der Ukraine

Je mehr sich gerade der russische Aggressor Präsident Wladimir Putin gegen die Rechte von Homosexuellen ausspricht, desto mehr Zustimmung finden diese wohl inzwischen in der Ukraine. Der ukrainische Abgeordnete Andrii Kozhemiakin, ein konservativer Ex-Spion, der gerne seinen christlichen Glauben und seine große Familie betont, brachte es im Parlament so auf den Punkt: „Alles, was unser Feind hasst, werde ich unterstützen! Wenn es in Russland niemals existieren wird, sollte es hier existieren und unterstützt werden, um ihm zu zeigen und zu signalisieren, dass wir anders sind. Dieses Gesetz ist wie ein Lächeln gegenüber Europa und ein Mittelfinger gegenüber Russland. Deshalb unterstütze ich es.“

Gleichberechtigung für schwule Soldaten

Dabei sei eine mögliche Homo-Ehe auch und gerade für ukrainische schwule Soldaten besonders wichtig, die noch immer auch Schikane von ihren Kameraden an der Front erfahren. „Wir müssen dieses Gesetz während des Krieges verabschieden, damit sich unsere Soldaten auf dem Schlachtfeld sicherer fühlen. Aber auch, damit sie, wenn sie ins zivile Leben zurückkehren, wissen, dass wir hier für sie gekämpft haben, während sie in den Schützengräben für uns gekämpft haben", so Maksym Potapovych von der Kampagnengruppe LGBT Military gegenüber dem britischen Guardian.  

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Ende der Badehaus-Verbote

San Diego streicht alte Vorschrift

San Diego schafft ein seit den 1980er-Jahren bestehendes Badehaus-Verbot ab, das einst zur Eindämmung von HIV eingeführt worden war.
KI und LGBTIQ+

Outing der sexuellen Orientierung

KI kann LGBTIQ+-Menschen diskriminieren oder sensible Identitäten ableiten – zugleich warnt ein Anthropic-Forscher vor weiteren extremen Risiken.
Doppelmoral in Dallas

Grindr und Republikaner

Beim Parteitag der Republikaner war der LGBTIQ+-Kulturkampf ein zentrales Thema. Gleichzeitig vermeldete Grindr Ausfälle wegen Überbelastung der App.
Mit Pride-Flagge ins Ziel

Queerer Läufer schreibt Geschichte

Der nicht-binäre Ryan Montgomery wurde beim Western States Endurance Run zum schnellsten US-Amerikaner über 100 Meilen und schrieb damit Geschichte.
Lesbische Polizistin packt aus

Sexuelle Belästigung von Kollegen

Eine lesbische Polizistin aus New Jersey wirft Kollegen sexuelle Belästigung und ihrem Polizeichef Diskriminierung vor.
Mehr Schutz für Kinder online

Experten legen 56 Empfehlungen vor

Eine Expertenkommission legte heute 56 Empfehlungen für besseren Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt vor.
Sexuelle Bildung in Italien

Referendum erreicht wichtige Hürde

Mehr als 500.000 Menschen haben ein Referendum gegen ein Gesetz in Italien unterschrieben, dass sexuelle Bildung und LGBTIQ+ an Schulen untersagt.
Noah Segsy ist tot

Schwuler Adultstar ertrinkt im Pool

Der 22-jährige deutsche schwule Hardcore-Content-Creator Riccardo Staudt alias Noah Segsy ist auf Zypern ertrunken. Die Todesumstände sind noch unklar
25 Jahre 9/11

Der Anschlag und LGBTIQ+

25 Jahre nach 9/11 zeigt sich: Die Anschläge veränderten auch das Leben von LGBTIQ+-Menschen und machten rechtliche Ungleichheiten sichtbar.